In Zeiten der Krise

Mir geht es gut. Soetwas im März 2020 sagen zu können, ist schon ein Privileg. Aber die jetzige Situation kommt mir in meinem kleinen Kämmerchen entgegen:
Ich soll nicht mehr rausgehen? Hervorragend, das stresst mich ohnehin. Kontakte zu Personen finden nur noch per Mail, maximal telefonisch statt? Solange sich die Telefonate auf Familie und Freunde beschränken, fühle ich mich pudelwohl. Die Kinder sind den ganzen Tag zu Hause? Gut, zugegeben, die Situation wäre mir bedeutend lieber, wenn ich alleine wäre. Ich, mein Homeoffice und mein Sofa. Netflix, Bücher, eine Spielkonsole und das Verbot, mich im realen Leben mit Menschen zu treffen. Es ist paradiesisch.

Ich muss kein Vorbild in sozialer Kompetenz mehr sein. Muss mich nicht abmühen, Dates und Treffen einzuhalten, an den Kaffee mit der Kollegin zu denken und die Sprechstunde mit der Studierenden. Muss nicht von A nach B eilen, um beim nächsten Termin zu erscheinen. Ich bleibe wo ich bin und die Termine kommen zu mir.

Vielleicht liegt es daran, dass mich die aktuelle Entwicklung kaum beunruhigt. Obwohl auch in meinem näheren Umfeld Angehörige der Risikogruppen sind – das einzige, wie ich ihnen wirklich nutze, ist zu Hause zu bleiben. Es war für mich noch nie so einfach, das Richtige zu tun. Gegebenenfalls verwahrlose ich etwas. Zwar halte ich meine Routinen ein, verbringe nicht den Tag im Schlafgewand und esse zu stabilen Zeiten. Aber die Haare? Dürfen machen was sie wollen. Die Augenringe? Ich sehe nicht in den Spiegel, also stören sie mich auch nicht. Und wer muss schon bügeln, wenn es ruhig so aussehen darf, als hätte man in seinen Kleidern geschlafen? Schließlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass ich das tatsächlich getan habe.
Um mich nicht falsch zu verstehen: Ich verlasse das Haus. Meistens dann, wenn die Kinder zu lange zu nah waren und ich Abstand brauche. Nein, es sind nicht die Kinder, die raus drängeln und nörgeln. Solange ich meine Wohnung nicht für mich haben kann, gehe ich mit den Kinder raus, um weniger Nähe zu haben. Mehr Raum für mich.

Obwohl ich inzwischen gut mit neuen Menschen in Gespräche komme, nicht unter sozialen Ängsten leide und auch sonst oft sehr umgänglich bin: Meine Batterien werden dann am besten aufgeladen, wenn ich ganz für mich den Dingen nachgehen kann, die ich gerne mache. Mal sehen, wie viel Gelegenheit ich in den nächsten Wochen dazu bekomme.

Bleibt gesund.

Wie ich lerne – jenseits der 30

Ich hasse Fehler. Zugegeben, ich habe auch noch niemanden kennengelernt, der Fehler wirklich und aufrichtig nur positiv als Chance wahrnimmt, Dinge besser zu machen. Das wird zwar auf sämtlichen „Improve yourself“-Seiten als Lösung zum Umgang mit Kritik, als „positive Fehlerkultur“ beschrieben.

Aber mal ehrlich: Festzustellen, dass man eine Aufgabe so richtig in den Sand gesetzt hat, ist kein schönes Gefühl. Aktuell besteht mein Leben aus dem Gefühl, sehr viele Dinge gleichzeitig in den Sand zu setzen. In Teilen liegt das sicher auch an meiner Neigung zur Prokrastination, aber ich erreiche auch langsam meine Leistungsgrenzen. Es gibt hier wieder Dinge, die ich nicht kann und bei dem Versuch, Sie trotzdem umzusetzen, scheitere ich. Lösungshilfe bietet mein Netzwerk hier nicht an oder zumindest nicht so, dass sie mich weiterbringt.

Also fliege ich auf die Fresse. Entschuldigt den Ausdruck, aber die Härte des Bodenkontakts wird durch ein zartes Wort wie „Nase“ nicht abgebildet. Nein, ich fresse Dreck. Und dann liege ich erst ein Weilchen da unten und zweifle an meiner Existenz. An all meinen bisherigen Leistungen und an meinem Lebensweg. Es ist völlig egal, ob der Flug spendiert wurde durch einen Fehler im Job, durch ein mütterliches Versagen, durch eine doofe Bemerkung gegenüber Freunden. Am Ende versuche ich, mit dem Boden zu verschmelzen und zu verschwinden.
Leider tut mir der Boden den Gefallen nicht. Stattdessen fängt es auch noch an, zu regnen – interessierte Mitmenschen, die wissen wollen, wie es mir so geht. Ihr Nachfragen nässt mich durch.

Und jetzt kommt diese fürchterlich kitschige Metapher vom Aufstehen, was nach der Anzahl der Stürze inzwischen aber kein „auf die Füße kommen“ mehr ist. Stattdessen liege ich nicht mehr, ich krieche langsam vorwärts und bemühe mich, meine Knochen wieder zu sortieren. Mich neu zu strukturieren.
Ich versuche, den Fehler irgendwie in mein Selbst- und Weltbild zu integrieren. Zu kitten, was zu kitten ist, zu verbessern, was ich verbessern kann und ansonsten die Grenzen zu akzeptieren, über die zu gehen mir nicht möglich ist.

Und auch wenn es nach Sinnkrise klingt: Diese ganzen miesen, tiefen Emotionen kratzen nicht mehr an meinem Kern. Sie lassen mich nicht an mir als Person zweifeln. Aber an meinem Umgang mit mir und der Welt.

Ich denke der Unterschied ist, dass ich – nach einem ausgiebigen Schlammbad – unterscheide, was ich ändern kann und möchte und was nicht. Die Umsetzung dieser Erkenntnis dauert noch einige Stürze mehr und ich habe die Vermutung, dass mein Leben noch aus vielen weiteren Gesicht-Boden-Kontakten bestehen wird. Aber zumindest stecke ich keine Energie mehr in Dinge, die nicht zu mir gehören. Die ich nicht brauche und niemals nutzen werde.

Sofern mir der Mist nicht aufgedrängt wird und zu meinem Mist gemacht wird, entscheide ich selbst, welchen Haufen ich angehe. Auch wenn mich das nicht grundsätzlich zu einer positiveren Person macht. Das werde ich wohl nie sein.

Rückkehr

Ich habe keine Follower – glaube ich – also wird dieser Blog wohl zu dem, was er im eigentlichen Wortsinn ist: Einem digitalen Tagebuch.
Tagebuchschreiben war noch nie mein Ding. Ich bin nicht gu darin, solche Dinge über längere Zeit zu verfolgen, wen kein Dtuck von außen kommt. Daran hat sich nichts geändert.

Aber es gibt Gedanken, die ich festhalten will. So festhalten, dass andere sie lesen können, wenn sie daraus etwas für sich ziehen. Die Gedanken passen nirgendwo so richtig hin – nicht zu meiner Elternseite, nicht in meine Gruppen, nicht auf Instagram. Sie sind schnelllebig und müssen getippt werden, weil sie handschriftlich nur für schmerzende Finger sorgen.
Außerdem vermisse ich das Schreiben. Das einfach Aus-mir-Heraus-Sprudeln, statt gut überlegt zu recherchieren und damit einen Mehrwert für die Gesellschaft zu generieren.

Ich weiß noch nicht genau, womit ich starte. Ich hatte wieder Kapazität, mir viele Gedanken zu machen. Früher hätte ich nicht gedacht, dass ich mal zu beschäftigt sein würde, um zu denken, aber das Hirn hat nur eine begrenzte Kapazität und meines lief zuletzt am Limit. Vermutlich müsste es das immernoch, aber ich halte das Tempo gerade nicht mehr durch und muss einen Schritt zurück gehen, bevor ich dazu gezwungen werde.
Ich könnte darüber schreiben, wie ich die Menschen heute sehe – im Vergleich zu vor einiger Zeit. Was ich über Freundschaft denke. Über meine unberechenbaren Stimmungen. Auch über Sex, über Schönheit, über Wünsche und ferne Ziele. Über Entwicklung.

Jetzt sortiere ich noch, welchen Gedanken ich als erstes fassen möchte. Ich bin inzwischen dreißig und merke, dass manche Dinge tatsächlich Zeit brauchen und besser werden, wenn man sie ihnen gibt. So wie ich mir gerade Zeit gebe, um wieder auf mich zu schauen. Das ist luxuriös und ich bin froh über diese Möglichkeit. Jetzt gilt es nur, sie zu nutzen.

Lerche und die Mutterfreunde

Es war lange still um diesen Blog und wer überhaupt noch Benachrichtigungen erhält, wird sich wundern. Nekromantie? Geister? Arbeitslosigkeit der Blogerstellerin?

Eine Zusammenfassung in Kurzform:
– Ich wurde von einem anderen Blog angefragt, ob ich mich beteiligen mag: https://mutterfreunde.wordpress.com/  Ich wollte, denn in einer Gruppe schreibt es sich doch produktiver und motivierter. Zwei Blogs auf einmal, zumal sie thematisch ähnlich gewichtet sind, fand ich dann doch zu viel.

– Ich bin jetzt Mutter von zwei Kindern, die kleine Lady kam 2016 zur Truppe.
– Ich habe meinen Master erfolgreich abgeschlossen.
– Ich fing direkt nach dem Mutterschutz an zu arbeiten.
– Ich werkle an meiner Dissertation.

Meine Kapazitäten sind etwas ausgeschöpft. So ausgeschöpft, dass ich auch den anderen Blog schmächlich vernachlässige.
Sofern mir Ideen kommen, wie ich diesen Space hier wieder mit Inhalt füllen kann, der nicht deckungsgleich zu den Themen im anderen Blog ist, werde ich hier reaktivieren.

Oder habt ihr Ideen, über was ich schreiben könnte? Auf Basis meiner bisherigen Beiträge: Was interessiert euch? Sonst freut es mich auch, euch bei den mutterfreunden wieder zu lesen.

Zum 12. Monat

Wer mich kennt, ahnt, dass ich hier kein Gedicht über die unendliche Mutterliebe poste. Zu dem Thema gibt es unfassbar viel Material überall im Internet, das muss ich nicht noch füttern. Außerdem ist es schwierig, das ohne einen Kübel Kitsch zu formulieren und meine Reimzeiten sind länger her.

Vor genau einem Jahr war ich gerade bei harter körperlicher Arbeit. Der kleine Held arbeitete mit, so gut man das mit Nabelschnur um den Hals eben kann. Schlussendlich arbeiteten Ärzte, der Lercherich und die Hebamme auch noch mit uns. Das Ergebnis jedenfalls ist die Mühe wert.

Dass Muttersein nicht ausschließlich aus rosa Wölkchen besteht, wenn man vom Typ mehr die selbstkritische, weltkritische Pessimisten-Verhirnte ist, war mir vorher klar. Dass ich den kleinen Held von Kopf bis Fuß durchdenke und meine Normtabellen im Kopf habe, auch. Das macht mich zu einer schwierigen Mutter, denn die schönen Momente zu genießen, ist nicht besonders einfach.

Zum Glück braucht es dafür nicht viel, denn sie überrollen mich einfach. Emotionen haben in meinem System die schöne – manchmal auch hinderliche – Angewohnheit, durchzubrechen. Einfach so. Ich kann dann nur noch entscheiden, ob ich sie gerade auf Dauer haben möchte, bremsen muss oder einfach genieße. In diesen 12 Monaten konnte ich mich oft für letzteres entscheiden.

Der kleine Held war für mich von Anfang an vor allem deshalb ein Held, weil er mit mir als Mutter durchhält. Es gibt sicher bessere Optionen. Trotzdem ist er genauso fröhlich, trotzig, quengelig, offen oder schüchtern wie ganz viele andere Kinder. Er freut sich, mich zu sehen, er zeigt, was er möchte, er traut sich Dinge zu, er traut aber auch mir.

Er ist, wie er ist, ein toller Mensch.

Er mag andere Kinder und geht gerne auf sie zu. Er ist völlig furchtlos bei Hunden, wenn sie ihm den Hintern zudrehen. Wenn sie sich ihm mit der Schnauze nähern, sucht er Hilfe. Er krabbelt selbst Treppen hoch und bemüht sich, sie auch wieder runter zu klettern. Er isst gerne. Er wirft Dinge durch die Gegend und liebt Bälle. Er nimmt sich selbst Bilderbücher und erzählt, während er durchblättert. Er ist die größte Wasserratte, die ich kenne und springt auch vom Beckenrand einfach rein. Er tanzt zur Musik, vor allem, wenn der Beat klar ist. Er lacht bei Punk. Er zeigt deutlich, wenn er etwas möchte und wird zornig, wenn er es nicht bekommt. Er kuschelt sehr gerne und tankt dabei Energie auf. Er erobert alle Spielplätze. Er mag Ausflüge und wird gerne im Tragetuch oder der Tragehilfe getragen. Er ist beim Arzt tapfer. Naseputzen, Gesicht abwischen und Eincremen hasst er. Er wühlt gerne im Dreck und manchmal isst er ihn auch noch. Er spricht noch kein verständliches Wort, erzählt aber den ganzen Tag. Laufen traut er sich noch nicht. Die Krippe besucht er gerne, sofern seine Erzieherin da ist – aber nur halbtags.

Mein Ziel in diesem Jahr war, ihm eine sichere Basis zu geben. Ihm jederzeit uneingeschränkt zur Verfügung zu stehen. Ihm dadurch die Sicherheit zu geben, selbst die Welt zu entdecken. Klassische Bindungstheorie eben. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt glaube ich, wir haben gut vorgelegt.

Obwohl er bis heute nur manchmal durchschläft. Obwohl er extreme Mama-Phasen hat, in denen Papa völlig uninteressant ist. Obwohl er mich beim Schlafenlegen an den Rand meiner Nervenkapazität bringt. Obwohl ich erst gestern das erste Mal seit der Geburt nach 20 Uhr die Wohnung ohne ihn verlassen habe. Obwohl er lange viel genölt hat, ich quasi nie ausgeschlafen bin.

Obwohl er also ein normales Kind und wir normale Eltern sind.

Er ist eindeutig unser Kind. Willensstark, bewegungsfreudig, fröhlich, kommunikativ, kuschlig, offen, konzentriert, lustig.

Ich hoffe, dass er irgendwann gut damit zurecht kommt, wer er ist. Zufrieden mit sich und seinem Weg, eingebunden in die Gemeinschaft, offen und neugierig für die Welt. Warten wir die nächsten zwölf Monate ab.

Mein Freizeitsfazit

Meine Freizeit ist gut gefüllt. Da mein „innerer Kritiker“ ein höchst akribisches kleines Rumpelstilzchen ist, hat (beinahe) jede meiner Aktivitäten einen weiteren Sinn. Nur Entspannung? Kaum denkbar.

Aber da ich so vielfältig unterwegs bin, dachte ich, ich liste es mal auf. Vielleicht inspiriert es ja den ein oder anderen zu einem neuen Hobby. Denn wenn ich mich in quasi alles irgendwie einarbeiten kann, kann das jeder.

  • Filzen: Mein Klassiker. Damit habe ich phasenweise gut Geld verdient und verdiene zwischenzeitlich zumindest ein wenig was dazu. Kurz gesagt wird aus unversponnener Schafwolle (gefärbt oder ungefärbt) ein robustes, stabiles Material, das je nach Ausgangsmaterial weich und anschmiegsam oder kräftig und fest wird. Man hat beinahe unbegrenzte Möglichkeiten, von der Blume bis zur Schüssel geht alles. Puppen, Kleidung, Hüte, Schuhe – oder Stoffbahnen, die man vernäht. Selbst Vorhänge sind machbar. Problem: Man braucht warmes Wasser, ein wenig Platz und für größere Stücke auch Zeit. Mal eben unterbrechen ist zwar möglich, aber mich holt das aus dem Flow.
  • Nähen: Das mache ich ganz neu. Angenehm: Man ist vergleichsweise schnell fertig und die zugeschnittenen Stoffteile verzeihen es auch, wenn man sie einfach liegen lässt. Dafür blicke ich da noch nicht ganz durch und das Ausgangsmaterial ist je nach Qualität, ziemlich teuer. Wenn man außerdem Anfänger ist und Schnittmuster braucht, gibt es nur begrenzt kostenloses. Mal davon abgesehen, dass auch eine Nähmaschine nicht günstig ist. Aber es kommen äußerst sinnvolle Dinge dabei raus.
  • Lesen: Super gerne. Derzeit aber vor allem Fachbücher, das hat dann auch noch Mehrwert, mindert aber die Entspannung. Wenn ich meiner eigentlichen Leidenschaft fröhne (Fantasyromane) kommt es mir so vor, als ginge so viel Zeit ungenutzt drauf. Denn wenn ich erstmal anfange, kann ich kaum aufhören, bis das Buch zu Ende ist.
  • Zocken: Computer oder Konsole, völlig egal, das einzig sinnfreie Hobby, dem ich fröhne. Früher noch länger und mehr, aber inzwischen brauche ich etwas, was ich schnell unterbrechen und weglegen kann, was sich auch mal für zehn Minuten lohnt, genauso aber für eine Stunde fesselt. Entsprechend kam ich reumütig zum Handheld zurückgekrochen. Das passt auch noch in jede Tasche.
  • Sport: Logisch, körperliche Fitness ist wichtig für Gesundheit, effektives Arbeiten und Ausgleich. Da ich Kampfsport mache, lerne ich auch direkt, mich in brenzligen Situationen zu verteidigen und lasse Aggressionen raus. Und weil die ganze Angelegenheit in der Gruppe stattfindet, habe ich auch noch soziale Kontakte. Genial! Nebenbei tanze ich auch gerne, aber das mehr für mich oder früher mal im Club.
  • Backen und Kochen: Wenn man wenig Geld hat (siehe Mehrwert: Geld sparen) mehr Notwendigkeit als echtes Hobby, aber nebenbei macht es mir auch Spaß. Man stellt günstige Geschenke her (selbstgekochte Marmelade), ernährt sich gesünder, spart Geld und kann kreativ sein. Zusätzlich hinterher den leckeren Kram verschnabulieren.
  • Fotografieren: Die Kamera oder zumindest mein Handy ist immer dabei, auch wenn letzteres echt miese BIlder schießt. Aber Momente zu konservieren und damit schonmal für das nächste Weihnachten vorzuarbeiten, das ist sinnvoll. Und das Konzentrieren auf das richtige Licht und den passenden Bildausschnitt entspannt genauso, wie das nachträgliche Betrachten und Sortieren. Wenn man dann noch Schnappschüsse auf Instagram lädt, bekommt man direkt positives Feedback.
  • Soziale Netzwerke: Foren, Blog, Facebook, Instagram – ich bin nicht überall, aber ich bin unterwegs. So habe ich zumindest virtuell Kontakt zu weiteren Menschen, das leidet nämlich im Alltag erheblich. Hier kann ich mir einbilden, Gespräche zu führen, kann mich austauschen und meinen Gedankensenf präsentieren. Ihr merkt, ich werte es ab – aber letztendlich ist es eine sehr bequeme Möglichkeit zu plaudern.
  • Im Internet surfen: Das Wort kommt mir antiquiert vor, aber das trifft es. Natürlich wird nicht irgendetwas gesurft, sondern Infos zu Kindern, Produktvergleiche, Produkttests, neue Forschungen, gesellschaftskritisches, politisches….alles, was mein Hirn nährt und dafür sorgt, dass ich hinterher mehr weiß, als vorher. Da ich so viele Seiten wie möglich abgleiche, frisst das sehr, sehr viel Zeit.
  • Spaziergänge: Der Vollständigkeit halber. Eigentlich verbuche ich es unter „leichter Sport mit Frischluftbonus“.
  • Stricken: Vor allem im Winter sehr gerne. Letztendlich ist es wie Filzen oder Nähen, nur dass das Material etwas günstiger ist, als bei letzterem und es mehr Zeit braucht als die beiden anderen. Und Gestrick hat eine ganz eigene Haptik, die ich gerne mag. Gut für Geschenke oder wenn man eine neue Mütze braucht.
  • Zeichnen und Malen: Das habe ich früher viel häufiger gemacht, inzwischen lasse ich es meistens wegen des fehlenden Mehrwerts. Ich war nie besonders gut, auch wenn ich es gerne gewesen wäre. Vor allem war es für mich lange Zeit die einzige Psychohygiene und vielleicht sollte ich es zukünftig wieder häufiger machen. Es tat mir eigentlich gut, aber irgendwie fehlt die innere Motivation.

Wollt ihr über ein Hobby mehr wissen? Produkte sehen, eine kleine Einführung, theoretischen Background?

Erkältungstrunk „Virenschreck“

Hey, ich kann auch aus der Küche bloggen! Zumindest über das, was ich da so anstelle. Etwas kläglich, nachdem ich fast einen Monat gar nichts geschrieben habe, aber das Rezept ist lecker, warm und zumindest für Kinder über zwei Jahre nicht ungesund. Ob es auch tatsächlich gegen meine Erkältung hilft, keine Ahnung – ich habe so meine Zweifel- aber zumindest hilft es dabei, ausreichend zu trinken.

Gesundheitstrunk zieht durch
Gesundheitstrunk zieht durch

Man nehme:

  • ein daumengroßes Stück Ingwer
  • eine halbe Limette (oder Zitrone, dann wird es aber nicht so fruchtig)
  • einen großzügigen Esslöffel Honig
  • Ein Esslöffel Thymian pur (gibt es im Gewürzregal, im eigenen Garten oder auch als fertigen Tee)
  • Grüntee oder noch besser den „Kräuter&Matcha“ – Tee von sticklembke (letzterer muss nicht sein, schmeckt aber einfach gigantisch)

Ingwer in Scheiben schneiden oder raspeln. Wenn man ihn raspelt, wird es intensiver, man hat aber dann gegebenenfalls Ingewerraspeln im Mund. Limette in Scheiben schneiden und beides mit dem Honig in ein ausreichend großes Gefäß geben.

Den Thymian in einen Teebeutel oder ein Teesieb füllen, zwei Beutel Grüntee und das Tessieb in den Behälter hängen. Das Ganze mit einem Liter heißen Wassers (optimalerweise um die 80°C) aufgießen, gut umrühren,zehn Minuten ziehen lassen und genießen. Wenn ihr nach den zehn Minuten die Teebeutel und den Thymian entfernt, wird es beim Nachziehen noch besser.

Ich könnte mir auch Minze gut darin vorstellen, vorzugsweise frisch. Da Söhnchen Ingwer sehr gerne mag, könnte ich das Rezept auch anpassen, Honig weglassen und den Thymian reduzieren.

Entschuldigt den etwas inspirationslosen Post, aber mein Körper hat heute die Führung übernommen und beschlossen, das Hirn in den Streik zu schicken. Immunsystem braucht Energie.

Entscheidungen brauchen Hirn

Heute war es wieder so weit: Eine Mutter lies sich darüber aus, dass sie von ihren Eltern und Schwiegereltern für ihre Erziehungsmethoden kritisiert werde. Das sei eine Frechheit, schließlich sei es ihr Kind – das übrigens wohlgeraten, ruhig, toll entwickelt und super genährt, außerdem echt groß/weit/einfühlsam/pink für sein Alter wäre (sagen auch der Kinderarzt/die Hebamme/die Stillberaterin/die Heilpraktikerin)- ihr Leben und sie wisse, was das Richtige sei. Überhaupt findet sie alle diese Vorgaben und Richtlinien großen Mist, DENN: Sie hört auf ihr Bauchgefühl. So wie sie sollten das auch alle anderen Mütter machen, einfach auf ihr Gefühl vertrauen. Mutter Natur und der Instinkt werden das schon richten. Solche Kommentare sind in beinahe allen sozialen Netzwerken und einschlägigen Müttergruppen zu hören, gerne gekoppelt an den Hinweis, sich nicht von Ratgeberliteratur, Großeltern, anderen Eltern, dem Kinderarzt, der STIKO, der WHO oder einem Psychiater verunsichern zu lassen. Maximal haben die Stillberaterin oder der Ostheopat ein Wörtchen mitzureden.

Das vielbeschworene Bauchgefühl ist ein echtes Phänomen unserer Zeit. Witzigerweise hat sogar eine große Elternratgeberzeitschrift ihr Layout nun darauf ausgerichtet. Ratgeber für das elterliche Bauchgefühl?

Dass sich die Zeitschrift damit nicht selbst unnötig macht zeigt ziemlich gut, dass Bauchgefühl offensichtlich doch nicht alles ist (und Eltern sich sehr gerne selbst beweihräuchern: „Lies mal Schatz, wir machen das alles richtig, toll, nicht? Nur dieser kleine Tipp da, aber das kann man ja einbauen“)

Seltsamerweise wird dieses Bauchgefühl allen anderen abgesprochen – denn wer anders handelt als der eigene Bauch, mit dessen Bauch kann ja irgendwas nicht ganz stimmen. Zu viel Kopf? Blähungen? Zu viele Kohlenhydrate in der Ernährung?

Den Vätern muss in vielen Fällen „Bauchgefühl“ erst beigebracht werden. Am Besten das, das die Mutter auch hat, denn schließlich kennt sie ihr Kind in und auswendig. Dass das auch vorherige Generationen von Müttern dachten und deren Bauchgefühl ihnen etwas ganz anderes riet, wird gerne mal übersehen. Auch damals war schon die Maxime, dass es dem Kind gut gehen sollte. Das Kind sollte das Beste für seine Entwicklung erhalten – und das damalige Bauchgefühl gab weiter, dass zu abhängige Kinder auch abhängige Erwachsene werden, dass ständiges Tragen der Haltung schadet und dass Muttermilch nicht ausreichend sättigt – warum sonst sollte das Kind schreien?

Auch wenn wir heute meinen zu wissen, wie man es besser macht, schreibt uns das ja nicht von Großmut gegenüber vergangenen Generationen frei. Wären die lieben Mütter ein wenig Weitsichtiger könnten sie mal den Rollentausch versuchen: Was werden wohl ihre Söhne und Töchter sagen, wenn in 20 – 35 Jahren die nächste Generation Kinder das Licht der Welt erblickt? Immerhin haben die heutigen Mütter ja alles richtig gemacht, denn ihre Kinder konnten glücklich und gesund aufwachsen und sind zu tollen Erwachsenen geworden. Kann ja so falsch nicht gewesen sein (denken auch unsere Eltern und Großeltern). Was, wenn unsere Kinder es einmal ganz anders machen, weil ihr „Bauchgefühl“ etwas anderes sagt? Und das unserem Gefühl so gar nicht entspricht? Wir werden genauso nervtötend sein und wir werden unsere Kinder als ziemlich egozentriert und arrogant empfinden, wenn sie von unseren Ratschlägen so gar nichts hören wollen.

Denn: Bauchgefühl ist fehlerhaft. Ja, es gibt einige Faktoren, die genetisch verankert sind. Mütterliches Sprachverhalten beispielsweise oder die Art der Interaktion mit dem Baby. Diese Faktoren zeigen sich aber bei jedem gesunden, halbwegs empathischen und interessierten Menschen.  Der Rest ist erlernt, anerzogen, angelesen. Wir sind zahlreichen Einflüssen ausgesetzt, unsere Erfahrungen prägen uns und eben auch das Handeln mit den Kindern. Wir schmökern im Internet, sind in Geburtsvorbereitungsgruppen, lassen uns von Hebammen beraten, sehen Filme, hören Musik – und nicht zuletzt waren wir selbst Kind. Aber aus den Schlüssen, die wir daraus für unseren eigenen Alltag ziehen, können sich eben auch Fehler ergeben.

Ich behaupte, dass jede Mutter irgendwo Fehler macht. Wir können nicht anders, wir sind menschlich. Und dass sich ein Kind gut entwickelt, ist primär keine Leistung der Eltern oder der Erziehungsmethode. Wir erinnern uns an die Großeltern: Die hielten ihre Kinder auch für prima entwickelt und vielleicht waren sie es tatsächlich. Denn das ist eine Leistung der Kinder, die sich an jede Umgebung anpassen. Sie nehmen dankbar das auf, was wir ihnen bieten.

Gute Eltern sind fähig, sich zu reflektieren. Sie suchen im Internet oder auf anderen Plattformen nicht ständig nur die Bestätigung, sie suchen abweichende Meinungen und überprüfen sie. Sie überprüfen auch sich selbst und ihr Bauchgefühl. Sie glauben nicht, allwissend zu sein und nehmen Ratschläge nach eingehender Prüfung auch mal an. Wir sind nicht plötzlich Götter in Sachen Kindererziehung, nur weil wir es fertig bekommen haben, eines in die Welt zu setzen.

Wenn das Bauchgefühl aller Eltern unfehlbar wäre, würden nicht reihenweise Kinder um den 3. Monat zur Flasche hin abgestillt werden, weil die Eltern denken, das Kind würde von der Muttermilch nicht mehr satt. Würden junge Mütter nicht bei jedem Wehwehchen zum Kinderarzt rennen, weil ja doch irgendwas sein könnte. Bräuchten wir keine Homöopathie. Wäre jedes Forum, jede Hilfeplattform unnötig. Bräuchte man kein Jugendamt. Wäre Kindeswohlgefährdung kein Thema. Würden alle Eltern überall auf der Welt bedürfnisorientiert mit ihrem Kind umgehen, ganz losgelöst von kulturellen Hintergründen.

Aber so ist es nicht. Manchmal brauchen wir Rat und wir sollten ihn auch annehmen können. Ob wir wahnsinnig gute Mütter und Väter sind sehen wir nicht daran, wie groß unser Kind ist, wie schnell es läuft und spricht, ob es durchschläft, gut isst, noch viel stillt, gerne mit uns kuschelt, selbstständig spielt oder das Tragen liebt. Wir merken es daran, wie wir mit unseren Fehlern umgehen. Wir werden es merken, wenn unsere Kinder Erwachsene sind.

Gedanken zur Babyernährung

Zu später Stunde ein Beitrag, zu dem eigentlich auch schon alles gesagt und geschrieben wurde. Fronten stehen sich unversöhnlich gegenüber, an der großen Mehrheit geht die Debatte sowieso vorbei. Da wir aber ja auch einen Entwurf leben – irgendwie muss das Kind ja satt werden – puste ich noch ein wenig mehr in den „Wie verkorkse ich die Essgewohnheiten meines Babys“-Ballon.

Schonmal von Baby-Led-Weaning gehört? Ein neues Modewort für eine mehr oder weniger einfache Sache. Das Kind bekommt vom Beikoststart (noch so ein Kunstwort) an alles, was die Eltern auch bekommen – mit einigen wenigen Einschränkungen. Salz schaffen die jungen Nieren nicht, Honig und rohe Tierprodukte sollte man auch weg lassen, Zucker steht zur Diskussion, auch wegen der frühen Geschmacksprägung, Nüsse bleiben außen vor und irgendwas habe ich sicher wieder vergessen. Dabei wird das Ganze nicht extra püriert, sondern „dem Kind wird eine reichhaltige Auswahl an gesunden Lebensmitteln präsentiert, aus denen es selbst Art und Menge der Nahrung bestimmen kann“. Die sinnvolle Fortführung des Stillens nach Bedarf also. Harte Dinge werden maximal gedünstet, damit das zahnlose Kind Stücke abbeißen kann.

Theoretisch eine schöne Sache. Noch schöner, wenn Eltern eigene Essgewohnheiten überdenken und nicht nur ihr Kind, sondern auch sich gesund ernähren. Unschön, wenn die Eltern keine Lust haben, sich mit den Bedürfnissen ihres Kindes auseinanderzusetzen und ihnen einfach irgendwas geben, was gerade da ist.

Um das Ganze etwas zu ordnen, arbeite ich meine Überlegungen in Spiegelstrichen ab:

  • Kinder bestimmen von Natur aus ihr eigenes Tempo beim Abstillen. Das mag für viele Kinder zutreffen, vermutlich sogar für einen Großteil. Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. (1) Sie müssen erkennen, dass es Alternativen zur Sättigung gibt. Das funktioniert nur, wenn sie Kontakt zur Nahrungsmitteln haben. (2) Sie haben die Möglichkeit, sich auf vielfältige Weise zu beruhigen, nicht nur und ausschließlich die Brust. Bei diesem Punkt kann man erheblich über den Zeitpunkt streiten, aber ich sehe eine Beschränkung der selbstregulativen Fähigkeiten des Kindes auf das Saugen an der Brust als Beschneidung seiner Möglichkeiten an. Eine Bezugsperson, die nichts anderes anbietet, sollte selbstreflektiv ihre Methoden überdenken. Dass manche Möglichkeiten besser funktionieren als andere, ist sicher genauso selbstverständlich, wie dass es eine Hierarchie der Methoden je nach Situation gibt. Aber um einen hinkenden Vergleich anzubringen: Selbst eine während der Fläschchengabe liebevolle und innig kuschelnde Bezugsperson, würde doch im Normalfall nicht auf die Idee kommen, auf einen Sturz oder auf Trennungsangst mit der Flasche zu reagieren, sondern es nur auf das Kuscheln beschränken. Ich stimme der Aussage zu, dass die wenigstens Kinder sich selbstständig im ersten Lebensjahr abstillen. Viele Mütter werden zur Flasche hin abstillen, weil sie in den kritischen Phasen der Stillbeziehung zu wenig Unterstützung erhalten oder aber auch die Unabhängigkeit genießen, die eine Flasche bietet.
  • Kinder haben ein natürliches Sättigungsgefühl. Davon ist auszugehen. Die Menge und auch welche Nahrung sie gerade benötigen, haben Kinder normalerweise (sofern sie verschiedene Nahrungsarten kennen) gut im Gespür. Genau wie Erwachsene haben sie manchmal mehr und manchmal weniger Hunger, aber ihre Präferenzen zeigen sich deutlicher. Sie können sich noch nicht überreden, etwas zu sich zu nehmen, von dem ihr Körper keinen Bedarf signalisiert.
  • Bevor die Beikostreifeanzeichen nicht gegeben sind, sollte man nicht zufüttern. In den meisten Fällen (massive Unterversorgung einmal ausgenommen) stimme ich zu, wobei ich die Beikostreifezeichen wie folgt auslege: (1) Zeigt Interesse am Essen, greift danach (und lässt sich nicht mit einem Löffel oder anderem Spielzeug ablenken) (2) Ahmt Kaubewegungen bei der Nahrungsaufnahme nach (3) Kann Gezielt nach Dingen greifen und sie zum Gesicht führen (3) Sitzt mit minimaler Unterstützung stabil (4) Der Zungenstoßreflex ist vollständig verschwunden. Diese Beikostreife kann aber nur erreicht werden, wenn bestimmte Faktoren gegeben sind. So müssen Kinder frühzeitig sehen, dass Essen ein fester Bestandteil der Lebenswelt ihrer Bezugspersonen ist. Ein schöner, kommunikativer, genüsslicher Vorgang, der immer wieder kehrt. Ein Baby, dass in den Laufstall kommt, damit die Eltern in Ruhe essen können, wird diese Erfahrung nicht machen und entsprechend später Interesse am Essen zeigen. Ich würde soweit gehen, die Beikostreifeanzeichen in ihrer Sinnhaftigkeit vor die Allergieprophylaxe zu stellen, nach der man zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat zahlreiche Lebensmittel einführen sollte – wohlgemerkt: Hier gilt die Maxime „Unter dem Schutz der Muttermilch“. Für Flaschenkinder ist die Vorgabe ohnehin schwierig umzusetzen.
  • Muttermilch bietet im ersten Lebensjahr alles, was das Kind braucht. Diesen Punkt sehe ich kritisch. Ich habe mich mit einigen amerikanischen Publikationen neueren Datums auseinandergesetzt und lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich behaupte, dass mit zunehmender Entwicklung (vom kanonischen Lallen, über Krabbeln, Gehversuche, beginnende Objektpermanenz und Selbstrepräsentationsfähigkeiten) auch der Nährstoffbedarf steigt und variiert. Der Zusammensetzung der Muttermilch sind aber natürliche Grenzen gesetzt. Sicher gibt es Einzelfälle, bei denen es nur über das Stillen funktioniert. Aber nur, weil mir das Stillen so großen Spaß macht keine Freude an den ersten Essversuchen des Kindes haben? Hinterfragt euch selbst: Schränkt ihr euer Kind ein, weil ihr diesen ersten kleinen Abnabelungsprozess nicht ertragt? Übertragt ihr dieses Unbehagen auf euer Kind?
  • Essen darf nicht mit Zwang verbunden sein. Vollkommene Zustimmung. Einem Kind Essen in den Mund zu zwingen wird nicht oder nur in seltenen Fällen funktionieren, wobei „funktionieren“ hier bedeutet, dass das Kind ein gesundes Verhältnis zur Nahrungsaufnahme entwickelt. Es dazu zu motivieren, verschiedene Nahrungsmittel in den Mund zu nehmen und die Konsistenz auszuprobieren, sollte hingegen wenig Probleme darstellen. Das Mundeln als Erkundungsinstrument leistet hier wertvolle Dienste und ist sicher eine Basis dafür, dass Kinder verschiedene Geschmäcker lustvoll kennen lernen.
  • Füttere das Kind nicht im Liegen, es verschluckt sich sonst. Zugegebenermaßen, die Angst vor dem Verschlucken war nie meine. Nach dem Erste-Hilfe-Kurs ohnehin nicht mehr, aber auch zuvor nicht. Liebe Erziehungsberechtigte, ihr könnt eure Kinder nicht vor allem Unbill schützen. Ganz im Gegenteil, ihr solltet auf ihre Fähigkeiten vertrauen. Essen will eben gelernt sein und der Lernvorgang kann nur stattfinden, wenn sie es dürfen. Bei all dieser Sorge dürftet ihr sie auch nicht krabbeln lassen – spätestens mit dem Pinzettengriff führen sie auch die kleinsten Kiesel, Perlen und Dekoblumen zum Mund und verschlucken das ein oder andere. Es kann sein, dass sie husten, sich verschlucken, dass man sie vornüber legen muss und kröftig auf den Rücken schlagen. Es kann auch sein, dass sie sich bei den ersten Laufversuchen alle Milchzähne ausschlagen. Haltet ihr sie deshalb vom Laufen ab?
  • Gläschen entstehen aus reiner Profitgier, sie sind der letzte Müll. Schlicht: Nein. Wer mit dieser Meinung in die Welt zieht, verpasst die Realität. Es ist bei Weitem nicht so, dass alle Erziehungsberechtigten sich intensiv mit Ernährungsfragen auseinandergesetzt haben, vollwertig kochen oder überhaupt größtenteils selbst kochen. Tatsächlich ernähren sich die Deutschen mehrheitlich eben nicht gesund oder zumindest so, dass ein Kind daran nicht mit essen sollte. Jetzt also zu propagieren, alle müssten am Familientisch mit essen, halte ich für kurzsichtig. Gläschen können eine Entlastung darstellen. Der Inhalt wird – wenn er auch nicht immer so kindgerecht ist, wie man sich das wünschen würde – streng kontrolliert. Die Meisten – vor allem der Anfangsgläser – sind auch was die Zusammensetzung angeht durchdacht und hochwertig. Alles in allem sind sie vor allem nicht schädlich. Junge Eltern, die sich bezüglich der Verzehrmenge und des Nährstoffbedarfs ihres Kindes unsicher sind, finden dort zumindest Anhaltspunkte.

Wie in allen Fällen habe ich etwas gegen Dogmatismus. BLW wird nicht nur dann funktionieren, wenn man es in Reinform praktiziert. Ich denke, dass jede Selbstwirksamkeitserfahrung eines Kindes positive Impulse für seine Entwicklung gibt. Dennoch vermute ich, dass in einer Welt, in der Kinder nicht selbst entdecken können, was in ihrer Umgebung essbar ist und was nicht, zwar mehr Kinder überleben, der regulative Aspekt der Elternschaft aber auch eine größere Bedeutung hat. Letztendlich sind es in jedem Fall die Erziehungsberechtigten die entscheiden, was ein Kind isst – und sei es nur, weil sie die Vorauswahl etwas einschränken.

Zuletzt bitte ich an die eigene Vorbildfunktion zu denken. Eltern, die selbst kaum, mit wenig Begeisterung oder andere Nahrungsmittel essen, leben nicht, was sie vermitteln wollen. Diese Diskrepanz wird bereits einem jungen Kind auffallen.

Politik vor Ort

Kleine Lerche in großer Praktikums-Welt: Heute durfte ich den Abteilungsleiter meines Referats in den Landtag begleiten. Das ist ja an und für sich schon keine alltägliche Situation und es wäre wohl auch so interessant genug gewesen. Eine der Abgeordneten hat mir den Tag dann aber doch besonders erhellt – mit Dingen, die eigentlich normal sein sollten, unter all den Anzugträgern aber doch Mut erfordert.

Der werte Leser ahnt es sicher schon. Wer noch nicht ganz dahinter kommt, dem biete ich unter anderem diese Querverweise zu anderen Exemplaren: http://www.sueddeutsche.de/politik/berliner-abgeordnetenhaus-platzverweis-fuer-stillende-mutter-1.460939 oder http://www.berliner-zeitung.de/archiv/weil-abgeordnete-ihre-babys-mit-in-den-plenarsaal-bringen–gibt-es-aerger-im-landesparlament-muetter-als-hinterbaenkler,10810590,10642406.html, genauso wie http://www.taz.de/!134162/ und http://www.maz-online.de/Brandenburg/Abgeordnete-Sabine-Niels-still-Tochter-Karla-im-neuen-Landtag-in-Potsdam

Mein Highlight waren also nicht nur das Politiktheater oder die fachlichen Ausführungen, nein, es war vor allem die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im rheinland-pfälzischen Landtag, Anne Spiegel. Bisher hatte ich lediglich aus den Nachrichten von Politikerinnen gehört, die ihre Kinder mit ins Plenum bringen – zumeist, weil ihnen aus Mangel an Betreuungsmöglichkeiten keine andere Wahl bleibt oder auch, weil sie direkt nach dem Mutterschutz wieder einsteigen, auf das Stillen aber nicht verzichten wollen.

Mit etwas Verspätung kutschiert sie ihren Sohn per Kinderwagen zur Sitzung des Ausschuss, nimmt Platz und findet souverän in die politischen Themen. Dabei immer im Blick: Das Baby. Ich ziehe an dieser Stelle bereits meinen nicht vorhandenen Hut – so schnell von der emotionalen Ebene, die man für das Kind benötigt, auf die politische Sachebene umzuschalten, ist am Schreibtisch schon nicht einfach. Mitten in der Sitzung, unter Beobachtung der anderen Mitglieder des Landtags, der Presse und der Besucher, wäre ich im Kopf mit noch viel mehr beschäftigt.

Hier sitzt sie also nun, sichtet Unterlagen, holt irgendwann ihren unruhiger werdenden Sohn aus dem Kinderwagen und kuschelt mit ihm. Stillt ihn, legt ihn wieder in den Kinderwagen. Dabei immer gleichzeitig bei der Diskussion, werden Notizen geschrieben und Fragen formuliert. Als es der Kleine im Kinderwagen gar nicht mehr aushält, breitet sie kurzerhand eine Decke auf dem Tisch aus und legt ihn darauf, eine Hand streichelnd auf seinem Bauch, während sie die Staatssekretärin befragt und Stellung bezieht. Sie verlässt den Saal dennoch vorzeitig – als ihr Sohn beginnt, die Runde zu stören.

Ungewöhnlich. Mutig. Vielleicht schwierig, lenkt es doch von ihrer politischen Kompetenz ab und den Fokus sehr auf ihr „Muttersein“. Es ist durchaus möglich, dass die vergleichsweise junge Abgeordnete damit einigen Respekt einbüßt, gerade in diesem wenig flexiblen, konservativen Feld.

Warum macht sie es also? Ich spreche sie nach der Sitzung an und bemühe mich, sie zu bestärken, ihr meine Anerkennung zu zeigen – in einer Situation, in der es viel Gegenwind gibt, umso wichtiger. Frau Spiegel erklärt sich: Ihr Mann, der übrigens Hausmann sei, wäre auch noch für ihre anderen Kinder zuständig. Und da der Kindergarten der großen Schwester geschlossen habe, ihr Sohn aber noch gestillt werde, musste sie ihn eben so mitnehmen. Sonst wäre ihr Mann sicher mitgekommen. Sie wirkt dabei nicht so selbstsicher, wie noch zuvor, redet zu schnell, lässt die Schultern hängen, sucht Erklärungen und ist sichtlich erstaunt über den positiven Zuspruch. Mit dem hat sie wohl zuletzt gerechnet.

Es ist also kein Statement. Es ist eine Notwendigkeit.

Was ich als Fazit ziehe: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auf allen Ebenen Thema. Überall werden Familien zu kreativen Lösungen gezwungen, auch wenn sie vielleicht lieber einen einfacheren Weg gehen würden. Ich möchte hier keinesfalls für mehr Kinder auf dem politischen Parkett werben – auch wenn man es in Brüssel wohl lockerer sieht – stattdessen werde ich um Verständnis für die Mütter und Väter, die beides wollen, Karriere und Kind. Die Eltern, die eben nicht nur Arbeit mit nach Hause bringen, sondern das Kind ab und an mal in die Arbeit integrieren müssen.

P.s. In meiner Abteilung wurde ihr Verhalten übrigens nicht zum Thema gemacht. Das würde aber auch nicht zum Haus passen.